Der Ton macht die Musik – auch in der internen Kommunikation. Gerade in der Krise.

Verena Schwarzinger
Senior Content Managerin

Stresssituationen, der Druck von oben oder Krisen wie aktuell die Coronakrise kehren oftmals die, sagen wir mal höflich, anspruchsvollen und kantigen Seiten von Menschen hervor. In diesen Zeiten zeigt sich, wie Kollegen und vor allem FĂŒhrungskrĂ€fte tatsĂ€chlich ticken. Wenn der sprichwörtliche Hut brennt, dann wird nicht nur der Umgangston rauer. Auch zwischenmenschlich kann es schon einmal krachen. FĂŒhrungskrĂ€fte, die gekonnt kommunizieren, sind in diesen FĂ€llen die klaren Gewinner. So sind Krisen der Lakmustest der (internen) Kommunikation.

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WertschĂ€tzung, Respekt, Kommunikation auf Augenhöhe – dies wĂŒnscht sich wohl jeder Arbeitnehmer. Und das nicht nur unmittelbar im persönlichen Umgang innerhalb der Abteilung, sondern auch zwischen den Hierarchien und vor allem „von oben“. Ein in guten Zeiten mĂŒhsam vom Unternehmen konstruiertes harmonisches Ganzes kann gerade in Krisenzeiten oder wenn das Unternehmen wirtschaftlich oder finanziell unter Druck steht, rasch zerbrechen. Und da ist schon ein wichtiges Reizwort in der Kommunikation: „konstruiert“.

Kommunikation hat ganz wichtige Bindemittel: WertschĂ€tzung und AuthentizitĂ€t. Wenn beides Teil der Kommunikation ist, wird sie von der Belegschaft nicht als konstruiert empfunden und wirkt konstruktiv. Doch die RealitĂ€t sieht oftmals anders aus: Befehle ohne Sinnvermittlung oder gar Drohungen, keine Anzeichen von gegenseitiger Achtung und vieles mehr. All dies wirkt sich auf die Motivation und damit auf die Leistung der Mitarbeiter aus. Und zwar klar negativ!

FĂŒhrungskrĂ€fte haben immer eine erfolgskritische und zentrale Rolle in einem Unternehmen. In der Krisenzeit gilt das doppelt und dreifach. Denn FĂŒhrungskrĂ€fte mĂŒssen sich immer vor Augen fĂŒhren: Ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gleich ob langgedient oder erst seit Kurzem dabei, gleich in welcher Abteilung oder in welcher Ebene – kann es keinen nachhaltigen Unternehmenserfolg geben. Und damit ist klar: Das Gespann "Mitarbeiter und FĂŒhrungskraft" macht den Unterschied. Die einen können nicht ohne die anderen.

Respekt hat viele Gesichter

Eine gute Kommunikationsbasis nachhaltig zu integrieren und zu halten, ist fĂŒr ein Unternehmen schon in „normalen“ Zeiten herausfordernd. Und dann erst wĂ€hrend einer Krise! Doch es sind wie so oft im Leben die ganz kleinen Gesten im Alltag, mit denen es beginnt. Ein kleines Beispiel: Mitarbeiter, die zig Jahre im Unternehmen waren und nun in den wohlverdienten Ruhestand gehen, wĂŒrdig verabschieden. Ein persönliches Danke und ehrliche Worte samt Handshake durch den CEO bzw. den GeschĂ€ftsfĂŒhrer setzen ein klares Signal: nicht nur an den ausscheidenden Mitarbeiter, sondern an die gesamte Innenwelt. Und an die sozialen Umfelder der Pensionisten in spe. Wirkung garantiert!

Oder ein anderes Beispiel: Engagierte und hochqualifizierte Personen, die in FĂŒhrungskrĂ€ftemeetings oder bei anderen Terminen auch einmal Bedenken gegen Planungen der Chefetage aussprechen, sollten nicht vor der gesamten Mannschaft „angemacht“ oder "niedergeputzt" werden. Die negative Kraft der Abweisung, der KrĂ€nkung oder der Drohung sind ganz starke Motivationskiller, aber auch Selbstbewusstseinskiller und Teamgeistkiller – das fĂŒhrt zu RĂŒckzug, Resignation, Unmut - und in weiterer Folge fast ausnahmslos zu KĂŒndigung.

FĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte doppelt herausfordernd ist ihre „Sandwichposition“ zwischen Top-Management und den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Eine professionelle Unternehmenskommunikation setzt auch hier Maßnahmen und unterstĂŒtzt die FĂŒhrungskrĂ€fte mit Informationen, Argumentationen und Kernbotschaften – verankert in einem authentischen und wertschĂ€tzenden GerĂŒst. Gerade damit können Druck reduziert und fehlende bzw. falsche FĂŒhrungskrĂ€ftekommunikation vermieden werden – gerade in Krisenzeiten ist das essenziell.

Identifikation vs. Resignation

Auch die Coronakrise zeigt: Krisen haben ihre eigenen Gesetze. Auf der einen Seite suchen und wollen Unternehmen motivierte Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren und sich eigeninitiativ fĂŒr das Erreichen der Unternehmensziele engagieren und aktiv an der KrisenbewĂ€ltigung mitarbeiten. Gleichzeitig wĂ€chst auf der anderen Seite der Druck auf die eigenen Mitarbeiter massiv an: Kostendruck, Leistungsdruck, Kampf um den Arbeitsplatz, Kampf um die eigene Rolle, letztlich der Kampf um die gemeinsame und höchstpersönliche Zukunft. All dies fĂŒhrt zu Motivationsverlust und Resignation. Aussagen von Mitarbeitern sind dann: „Man ist nur eine Nummer im Unternehmen, die je nach Bedarf hochgelobt oder getreten, ab- oder aufbaut wird.“ Kostenfaktor versus ErfolgstrĂ€ger – der Standpunkt bestimmt die Sichtweise.

Impulse und Inspiration fĂŒr erfolgreiches Kommunizieren – nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch im „normalen daily business“

 

  1. Egal, ob Sie ein Unternehmenskommunikator oder eine FĂŒhrungskraft sind: Reflektieren Sie die Stimmungslage der Mitarbeiter: Was sind ihre Sorgen, Ängste, Unsicherheiten, aber auch ihre Motivation, ihre Freuden, ihre Ziele im Unternehmen? Kommunikation findet nie im „emotional luftleeren Raum“ statt, sondern immer in einem emotionalen Setting. Wer da richtig und einfĂŒhlsam agiert, macht den wichtigen Unterschied in der Unternehmens- bzw. FĂŒhrungskommunikation.
     
  2. Versenden Sie keine Mails oder andere Nachrichten „aus einer Laune“ heraus. Reflektieren Sie im Schreiben auch die eigenen GefĂŒhle und Emotionen. Man neigt zu einer schĂ€rferen TonalitĂ€t, wenn man dem GegenĂŒber nicht ins Gesicht sieht und ad hoc (schriftlich) kommuniziert. Klarheit vor Harmonie ist wichtig. Aber denken Sie gleichzeitig, dass jede zwischenmenschliche Beziehung ohne WertschĂ€tzung frĂŒher oder spĂ€ter zwangslĂ€ufig tot ist.
     
  3. Suchen Sie vor allem auch in Krisenzeiten das persönliche GesprĂ€ch mit den Mitarbeitern – als Unternehmenskommunikator mit den richtigen Formaten. Und sei es coronabedingt durch virtuelle Botschaften des CEO bzw. des GeschĂ€ftsfĂŒhrers. Und als FĂŒhrungskraft durch wiederkehrende direkte Interaktion. Verstecken Sie sich nicht hinter Standardmails oder Floskeln. Zuwendung ist nicht nur ein Grundelement der WertschĂ€tzung, sondern einer der wichtigsten Stabilisatoren, die ein Mensch ziehen kann.
     
  4. Verunsicherung in der Krise: Das gilt natĂŒrlich auch fĂŒr die Kommunikatoren bzw. FĂŒhrungskrĂ€fte selbst. Fordern Sie im Unternehmen eine gemeinsame Ausrichtung ein – auch in der Kommunikation. Versuchen Sie fĂŒr sich Transparenz ĂŒber die Situation, die Ziele, die Risiken, die Erfolgsbarrieren, den Zustand Ihres Teams zu erlangen. Transparenz schafft Sicherheit. Und nĂŒtzen Sie dazu auch Sparringspartner und Feedbackgeber, die vertrauensvoll sind.

Kommunikation ist die wichtige Querschnittsfunktion in einem Unternehmen. Erfolg schaffen alle, nicht nur FĂŒhrungskrĂ€fte oder die Chefetage alleine, gleich ob in guten oder schlechten Zeiten braucht es daher einen respektvollen Umgangston, damit sich Leistungen verbessern. Der Ton macht eben auch im Business die Musik.

Haben Sie dazu Kommentare oder RĂŒckfragen? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht: verena.schwarzinger@c2.at.