Leadership: „Life is not perfect?“

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MMag. Dr. Peter Weixelbaumer

Eigentümer und Geschäftsführer von cs2 Communication & Strategy Services
Flashback ins Jahr 1998. Ich bin Stagiaire im Kabinett von EU-Agrarkommissar Franz Fischler in Brüssel. Und lebe in einer WG in der Rue Belliard im Kommissionsviertel. Einer meiner temporären WG-Nachbarn: Michael aus Limerick in Irland.

Michaels Paradespruch in hartem irischen Akzent:
„Life is not perfect.“

Für Michael war es die Universalbegründung für irgendwie alles im Leben: Was nicht so gut ging, was er nicht erklären konnte. Aber auch, wenn er etwas nicht tun wollte.

Diese Story erzähle ich gerne in Coachings oder Führungskräfte-Seminaren. Denn in einer Welt, die immer schneller und komplexer wird, höre ich von Führungskräften unterschiedlichster Hierarchiestufen:
„Peter, ehrlich, ich fühle mich oft überfordert.“

Meine Antwort mit Augenzwinkern: „Das haben Leaders vor 1.000 Jahren wohl auch schon gesagt.“
Und: „Sind es die Rahmenbedingungen, die überfordern? Oder der Anspruch, wie Führung zu sein hat?“ Daraus entwickeln sich meist hochinteressante Diskussionen.

Sicher: Führung ist in disruptiven Zeiten voll mit Changes und Polykrisen deutlich schwieriger als in „Schönwetter-Phasen“ wie zuletzt in den 1990ern.
Dennoch war Führung schon immer anspruchsvoll, lag zwischen „Soll“ und „Ist“ stets eine Lücke. Wäre dem nicht so, bräuchten wir konsequent weitergedacht gar keine Leaders. Denn was wäre noch „zu managen“?

„Life is not perfect“ – Gott sei Dank. Denn Leben ist Veränderung, Bewegung, Herausforderung. Der Germanist und Philosoph Matthias Leichtfried brachte es im Rahmen einer Diskussion so treffend auf den Punkt: „Das Schöne am Denken ist: Es ist nie abgeschlossen.“

Auch Führung ist nie abgeschlossen („management circle“).
Perfekt ist ein Idealzustand, Ziel ein realistischer möglichst naher Optimalzustand.
Für erfolgreiche Führung viel wichtiger als Perfektion sind aber andere Faktoren: das Fordern und Fördern von lebenslangem Lernen und eine Fehlerkultur, die Innovation ermöglicht und Lernen fördert.

Gute Führung muss nicht perfekt sein, sie muss vorbildlich sein – ein elementarer Unterschied.
Menschen folgen keinen perfekten „Apparatschiks“, sie folgen echten Leaders. Die auch einmal zweifeln, die Fehler zugeben. Die nicht alles wissen, aber bereit sind, selbst dazuzulernen. Die authentisch sind und authentische Mitarbeiter:innen zulassen.

Authentizität ist kein „Soft-Skill“. Sie ist ein harter Erfolgsfaktor. Denn Authentizität ist in einer Welt, in der vieles inszeniert wirkt, eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen.
Vertrauen entsteht nicht durch makellosen Schein, sondern durch spürbare Echtheit. Gerade in Zeiten von KI, Automatisierung und Hochglanz-Kommunikation wird das Menschliche zum echten Differenzierungsmerkmal.

Message to Michael: Yeah, Michael… life isn’t perfect. And today, your words hit me differently.…

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Die Sache mit dem Strang…

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