Unser Zuhause hat uns wieder: Lockdown 2.0 und die interne Kommunikation der F√ľhrungskr√§fte

Verena Schwarzinger
Senior Content Managerin

T√§glich Rekordwerte an Neuinfektionen, geschlossene Hotellerie und Gastronomie, Social Distancing und der zweite Lockdown bis Ende November in √Ėsterreich. Finanzielle Auffanghilfen, aber auch ein neues Kurzarbeitsmodell sind geplant. Die meisten Arbeitnehmer arbeiten, wenn dies m√∂glich ist, wieder von zu Hause aus. Mit der R√ľckkehr ins Home Office braucht es auch wieder eine verst√§rkte Kommunikation von F√ľhrungskr√§ften, um Sicherheit und Vertrauen auszustrahlen, aber auch um im Home Office anzuleiten und zu f√ľhren. Aber wie gelingt Leadership aus der Distanz?

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Die M√∂glichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, hat seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in √Ėsterreich neue Wege des Arbeitens er√∂ffnet. W√§hrend des ersten Lockdowns waren √ľber 40 Prozent der Arbeitnehmer, bei denen es m√∂glich war, im Home Office1. Auch im Sommer hielt der Trend an, der nun wieder f√ľr viele Alltag ist. Auf diese Situation muss man sich als Arbeitnehmer und auch als Arbeitgeber erst wieder einstellen. Denn in der ‚Äěneuen Arbeitswelt‚Äú braucht es andere Sicht- und Verhaltensweisen. Dabei ist ein passender F√ľhrungsstil ein wichtiger Faktor.

‚ÄěEhrlich w√§hrt am l√§ngsten‚Äú

Aktuell braucht es klare und richtungsweisende Kommunikation von oben: Wo ein Unternehmen finanziell und wirtschaftlich steht, wie dieser zweite Lockdown sich auf M√§rkte und Abs√§tze oder auch auf die Produktion auswirkt und wie die n√§chsten Wochen bis zum Jahresende gestaltet werden, sind Botschaften der obersten Etage, also eines CEOs, eines Gesch√§ftsf√ľhrers. Klare Antworten auf Fragen von Mitarbeitern, laufende Hintergrundinformationen zu Regelungen und Entwicklungen und ein offenes Ohr der F√ľhrungsebene schaffen vor allem in Krisenzeiten Sicherheit und Orientierung, die strukturell dringend ben√∂tigt wird, um gut arbeiten zu k√∂nnen. Das ‚ÄěGesicht des Unternehmens‚Äú sollte seine Belegschaft, seine Arbeiter und Angestellten informieren, ihnen Fakten berichten und Auskunft geben. Und nicht Panik, Sorgen oder √Ąngste sch√ľren. Und auch wenn notwendig an Medien, Investoren oder andere Stakeholder transparent kommunizieren. Ein Verstecken oder gar Abtauchen ‚Äď sogenanntes Ghosting - in Krisensituationen ist ein absolutes No-Go.

Neben dem Chef nehmen aber vor allem im Bereich der internen Kommunikation F√ľhrungskr√§fte von Abteilungen, Bereichen und Teams eine wichtige Funktion in den Kommunikationsagenden eines Unternehmens ein. Doch wie werden die Mitarbeiter im Home Office auch erreicht? Wie wird die Zusammenarbeit im Home Office organisiert? Funktioniert Teambuilding auch remote? Werden Mails oder Videobotschaften verschickt? Wie kann ich sichergehen, dass auch gearbeitet wird? Wie gelingt Vertrauen ohne Kontrolle? Wie kann man √Ąngste und Sorgen nehmen? Wie kann motiviert werden?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? √Ąh, wohl eher nicht!

Die interne Kommunikation √ľbernimmt in Zeiten von Social Distancing wichtige Funktionen und Rollen: Beraterin, Kollaborateurin, Redakteurin, Motivatorin oder Impulsgeberin, um nur ein paar zu nennen. F√ľr eine gute F√ľhrungskr√§ftekommunikation helfen FAQ-Leitf√§den oder Checklisten, damit Team-, Abteilungs- oder Bereichsleiter die relevanten Fakten und Informationen auch an die Kollegen weitergeben k√∂nnen. Und vor allem in einer One-Voice-Policy. So sollte nicht nur in Krisenzeiten verfahren werden. Denn die F√ľhrungskr√§fte auf diesen Ebenen sind wichtige Treiber, Motivatoren und vor allem sind sie erste Ansprechpartner.

So darf interne Kommunikation keineswegs zur Kontrolleurin, Nachspioniererin oder Überwacherin werden, auch wenn die Verunsicherung bei Vorgesetzten oftmals sehr groß ist. Fragen tun sich auf wie: Wird auch wirklich gearbeitet? Lässt es sich der Kollege gerade gut gehen und ist unterwegs?

Wird von den F√ľhrungskr√§ften eines Unternehmens √úberwachung vermittelt, wirkt sich dies negativ auf die Motivation und auf die gesamte Arbeit aus. Daher braucht es einen optimalen Einsatz der Kommunikation von den F√ľhrungskr√§ften: 

  • Die Auswahl der richtigen Kan√§le: Mail, Slack, Telefon, Videokonferenz, ‚Ķ
  • Der Ton: von oben herab oder auf Augenh√∂he 
  • Die Frequenz: 50 Nachrichten pro Stunde, zwei pro Tag, ‚Ķ

Auch ein offenes Ohr gehört zu den zentralen Schnittstellen, um Menschen zu erreichen, sich mit ihnen auszutauschen und gemeinsam auch im Home Office Kilometer voneinander entfernt gemeinsam zu arbeiten. Vertrauen sollte vor allen in Krisenzeiten und in einer Home Office Situation das A und O sein.

Impulse f√ľr F√ľhrungskr√§fte, um mit Kollegen im Home Office zu kommunizieren:

  • Interne Kommunikation muss w√§hrend der Krise noch st√§rker auf die Grundbed√ľrfnisse der Mitarbeiter eingehen und diese bedienen: zum einen √Ąngste nehmen, aber auch Verbundenheit vermitteln, die positiven Erfahrungen f√∂rdern und nicht aus den Augen verlieren. Offenheit und Klarheit sind im daily business immer wichtig. Klarheit vor Harmonie ist jedoch in der Krise sogar unverzichtbar.
     
  • Flexibilit√§t leben und Freiheiten geben: Mitarbeiter sind Studien zufolge im Home Office z√ľgiger und produktiver. Es gibt weniger Reibungsverluste und daher bessere Arbeitsleistungen. Leitplanken f√ľr das Arbeiten von zu Hause aus sind dennoch wichtig. Wann ist der Mitarbeiter erreichbar? Wie sehen die Kommunikationsregeln aus? Dies schafft Vertrauen von der F√ľhrungskraft und einen doch geregelten Alltag der Mitarbeiter. Am Ende z√§hlt nicht, ob man von 8 bis 17 Uhr gearbeitet hat, sondern die Leistung, die unterm Strich erreicht wird. Denn die reine Anwesenheitszeit in Unternehmen ist keineswegs ein Messinstrument f√ľr Leistung.
     
  • Kreativit√§t wird durch Remote Work gef√∂rdert. Neues entsteht: In gewohnter Umgebung, nicht st√§ndig unter Druck oder die Augen der F√ľhrungskr√§fte nicht dauernd im Nacken? Und schon ist das Setting geschaffen, in dem der Mitarbeiter vor neuen Ideen und Impulsen spr√ľhen kann.
     
  • Motivation geben und f√∂rdern, vor allem in Krisenzeiten: Mit Sicherheit und Struktur ist auch die innere Motivation der Mitarbeiter ansprechbar. Ein √§ngstlicher Mensch kann erst dann motiviert werden, wenn ihm die Angst genommen wurde. Wenn bei allen gesundheitlichen und auch wirtschaftlichen Herausforderungen, wie gegenw√§rtig Corona, Mitarbeiter sp√ľren, dass ihre pers√∂nliche Situation gesehen und nicht dem Wohl der Firma untergeordnet wird, sind sie nicht nur tempor√§r motiviert, sondern nachhaltig √ľberzeugt, beim richtigen Arbeitgeber besch√§ftigt zu sein.
     
  • Teamgeist zu st√§rken ist Aufgabe der F√ľhrung: Mitarbeiter und Teams verlieren durch die Arbeiten im Home Office den pers√∂nlichen Kontakt zueinander. Dieses Gef√ľhl und dieses Teamgef√ľge sollten F√ľhrungskr√§fte in der Kommunikation mittels gemeinsamen virtuellen Meetings und Jour Fixes vermitteln.

Die wichtigsten Partner und f√ľr den Erfolg eines Unternehmens verantwortlich sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darauf ist zu setzen und es gilt: Vertrauen ist in Krisenzeiten wohl die st√§rkste W√§hrung. Unternehmen, die dieser Gesamtsituation eine Chance geben, einen Fokus auf das Team und die Kultur der Zusammenarbeit legen und Vertrauen schenken, werden dadurch mehr Leistung erhalten. Sie werden als Gewinner aus der Krise hervorgehen und k√ľnftig bestens f√ľr den Arbeitsmarkt ger√ľstet sein.

Haben Sie dazu Kommentare oder R√ľckfragen? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht: verena.schwarzinger@c2.at.

 

[1] Bundesministerium f√ľr Arbeit, Familie und Jugend