Ich weiß, dass ich nichts weiß: Arbeitnehmer kennen Purpose des eigenen Unternehmens nicht

Verena Schwarzinger
Senior Content Managerin

Eine Studie1 macht es deutlich: Die Mehrheit der Arbeitnehmer in einem Unternehmen kennen das eigene Arbeitgeber-Purpose Statement nicht. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter nicht sagen können, wofĂŒr das Unternehmen, in dem sie arbeiten steht oder welche Ziele es verfolgt.

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Purpose Statement eines Unternehmens? Was soll das bitte sein?

Ein Purpose Statement eines Unternehmens ist das, was ein Unternehmen definiert (Sinn) und es ausmacht (Zweck). Verschriftlicht fĂŒr die interne Unternehmenswelt, aber auch fĂŒr die externe. Also wenn Sie jemand in der Nacht um 2 Uhr aufweckt und fragt, wofĂŒr steht Ihr Unternehmen, das Sie gegrĂŒndet haben, das Sie fĂŒhren und leiten oder in dem Sie arbeiten, dann sollten Sie eine Antwort bereit haben, und zwar die richtige. In einem Satz zusammengefasst und auf den Punkt. Ohne weitere Fragen aufzuwerfen, „herumzueiern“ oder zu stottern.

FĂŒr eine aktuelle Studie wurden ĂŒber 1.000 FĂŒhrungskrĂ€fte aus Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen befragt. Ganze 59 Prozent konnten das Purpose der eigenen Firma auf die Schnelle nicht nennen! Sorry, aber wie sollen sie dann FĂŒhrungskrĂ€fte sein? Wenn sie nicht wissen, wohin es gemeinsam gehen soll, wer dann? Das ist keine FĂŒhrung, das ist höchstens Administration! Und damit schafft man keine nachhaltigen Erfolge!

Wer sagt was zu wem und wann

Es ist wohl eine Hol- und Bringschuld gleichermaßen. Arbeitnehmer sollten verpflichtend das gesamte Paket: das Leitbild, die Mission bzw. das Purpose Statement, die Vision und die Werte des Unternehmens beim Einstieg vermittelt bekommen und schriftlich bzw. visuell aufbereitet erhalten. Auch in einer laufenden internen Kommunikation sollten diese „Wegweiser“ immer wieder vorkommen, verdeutlicht, darauf hingewiesen und natĂŒrlich auch vom Chef und der First Line vorgelebt werden. Dann kommt auf der anderen Seite die Pflicht der Arbeitgeber hinzu. Sie sind dafĂŒr verantwortlich, dass diese Verschriftlichungen auch alle drei bis vier Jahre ĂŒberarbeitet werden. Denn Ziele verĂ€ndern sich, Unternehmensausrichtungen ebenso.

Doch am Weg von der Ausarbeitung eines Purpose ĂŒber die Kommunikation bis hin zur Implementierung des Unternehmenspurpose klaffen große LĂŒcken, die auch zu einem massiven Kraftverlust im Unternehmen fĂŒhren können. Übrigens erst recht in Zeiten wie jetzt mit der Coronakrise.

Der Zweck heiligt die Mittel – auch der Unternehmenszweck

Um ein Unternehmen oder eine Marke stark und vor allem auch langlebig zu positionieren, braucht es einen Unternehmenszweck, der allen relevanten Stakeholdern, von den Mitarbeitern und Lieferanten, Kunden und Partnern bis hin zu Investoren oder Medienvertretern, Nachbarn oder Politikern geeignet vermittelt werden kann, der fĂŒr das Unternehmen spricht und begeistert. Dieser Zweck bildet den Kern einer Marke und ist der direkte Auslöser, um dem Unternehmen bzw. der Marke positiv zu begegnen, sie als sinnvoll zu bewerten und ihnen treu zu bleiben.

Besonders fĂŒr Millennials und die Generation Z werden positive, nachhaltige Unternehmenszwecke immer wichtiger, auch in der Ausrichtung als attraktiver Arbeitgeber. Diesen beiden „Gruppen“ wird nachgesagt, dass sie in ihren Arbeitsleben immer auf der Suche nach dem Sinn und dem Zweck ihrer Arbeit sind und Gutes tun wollen. Vorurteil oder nicht, ganz egal. Jeder Arbeitnehmer weiß, dass man lieber dort arbeitet, wo man sinnstiftend agieren kann – und dies kann von Produktion ĂŒber Vertrieb oder auch in Kommunikations- und Marketingabteilungen bis hin zu Managementfunktionen alles sein. Denn der Mensch steht letztlich immer vor der Frage nach dem Sinn – auch bzw. gerade in der Berufswelt. Und genau hier setzt das Purpose Statement an.

Verleihen Sie Ihrem Unternehmen bzw. Ihrer Marke eine Daseinsberechtigung und gestalten Sie sinnvolle Arbeit fĂŒr Ihre Mitarbeiter.

4 Impulse wie ein Unternehmenspurpose definiert wird:

  1. AuthentizitĂ€t: Beim Formulieren des Statements ist es wichtig, dass sich der Unternehmenszweck widerspiegelt. Denn auch wenn es eine schöne Verschriftlichung gibt, wenn dies nicht das aussagt, was gelebt und wahrgenommen wird, bringen auch die schönsten Worte nichts. Also fragen Sie sich: Was macht das Unternehmen aus? Warum wurde es gegrĂŒndet? Zu welchem Zweck? Nach welchen Zielen strebt man? WofĂŒr steht die Marke? Mit welchen Werten ist die Marke bzw. das Unternehmen besetzt? Wie leben wir mit- und untereinander?
     
  2. Einfachheit: Es braucht eine möglichst einfache Formulierung, ein einfaches Wording. Kurze SĂ€tze. Vor allem sollten alle im Unternehmen, auch die externen relevanten Stakeholder, das geschriebene Wort nachvollziehen können. Es darf keinen Spielraum fĂŒr Interpretationen geben. Das Purpose Statement muss klar aussagen, was wirklich gesagt werden will.
     
  3. IndividualitĂ€t: Ein Purpose Statement kann man nicht abschreiben. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal eines Unternehmens. Daher muss es individuell entwickelt, erarbeitet und angepasst werden und schnell erfassbar sein. Der Unternehmenszweck muss intern wie extern auf eine breite Zustimmung stoßen, denn wenn der Zweck mitsamt seinem Ziel nicht in der Gesellschaft, gleich ob bei den Mitarbeitern oder außerhalb des Unternehmens, ankommt, ist das Unternehmen damit wohl am falschen Dampfer.
     
  4. Zukunftsorientierung: Im Idealfall treibt ein Unternehmen immer etwas an: Im besten Fall ist es die Lösung fĂŒr ein gesellschaftliches Problem. Also zum Beispiel Menschen zu ernĂ€hren, Menschen zu schĂŒtzen, Menschen zu transportieren, Menschen zu pflegen und zu heilen, die Umwelt zu schĂŒtzen, einen aktiven Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten und so weiter.

Beispiele gefĂ€llig? 3 Unternehmen – 3 Statements

Die meisten großen international erfolgreichen Unternehmen haben ihre Erfolge auch einem gelungenen Purpose Statement zu verdanken. Hier drei Beispiele von internationalen Unternehmen, die Sie garantiert kennen.

Nike: „To bring inspiration and innovation to every athlete* in the world.*If you have a body, you are an athlete.“

Google: „To organize the world’s information and make it universally accessible and useful.“

Sony: „To be a company that inspires and fulfills your curiosity.”

Interne Vermittlung fehlt

Die Studie zeigt ebenso auf, dass eine Vermittlung des definierten Purpose im Unternehmen oftmals fehlt. Dabei kann das Wissen in der Belegschaft die Motivation fördern und letztlich auch die Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn 75 Prozent der Befragten in der Studie stellen einen positiven Einfluss eines gelebten Unternehmenspurpose auf ihre Zufriedenheit fest. Performance und Kundenorientierung werden erhöht. Dabei geht es stets darum, dass der gemeinsame Gedanke und die gemeinsame Ausrichtung verbinden.

Haben Sie dazu Kommentare oder RĂŒckfragen? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht: verena.schwarzinger@c2.at.

[1] Personal- und Managementberatung Kienbaum in Kooperation mit Frank Dopheides Human Unlimited