„Ich krieg‘ die Krise“: Die Krise als Dauerzustand – und was KommunikatorInnen tun mĂŒssen

MMag. Dr. Peter Weixelbaumer
Strategie & Consulting, CEO cs2 Communication & Strategy Services

Eine Krise ist pointiert definiert der Höhe- oder Wendepunkt einer gefĂ€hrlichen Entwicklung.1 In ihrem subjektiven Empfinden hat eine Krise zwei AusprĂ€gungen: Sie wird einerseits als disruptives Ereignis wahrgenommen. Und disruptive Ereignisse wiederum als Krisen. Die zweite subjektive AusprĂ€gung ist jene des „existentiell Bedrohlichen“, der â€žUnausweichlichkeit“, des „Unbeherrschbaren“.

Unsere Welt wirkt fĂŒr viele genau so – und das quasi ohne Unterbrechung. Immer mehr Menschen befinden sich so im subjektiven Dauerkrisenmodus. Vom empfundenen Bedrohungs- und Risikoszenario ist es dann nur mehr ein kleiner Schritt zur empfundenen Gefahr. Und damit zur Angst.

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Stillstand oder Fortschritt?

(VerdrĂ€ngte) Angst, Ohnmacht und Druck beeinflussen nicht nur Denkmuster, sondern auch Verhaltensweisen. Und spĂ€testens hier ist der Punkt erreicht, an dem KommunikatorInnen von einer Beobachter- in eine Gestalter- und FĂŒhrungsrolle springen mĂŒssen. Denn das LebensgefĂŒhl – sei es Angst und Krisenmodus oder sei es positives Weltbild und proaktiver Gestaltermodus – beeinflussen nicht nur das jeweilige Individuum, sondern durch sein Verhalten in hohem Maße VitalitĂ€t, Performance, WettbewerbsfĂ€higkeit und Visionskraft der jeweiligen Organisation: entweder hemmend und reduzierend oder fördernd und stĂ€rkend. Was fĂŒr ein Unterschied!

Eine der grundlegenden Aufgaben eines Kommunikators besteht darin, seine Organisation nicht nur optimal am Laufen zu halten, sondern zu ihrer vitalen positiven Weiterentwicklung, zu ihrem soliden Wachstum beizutragen. Die Rahmenbedingungen erfordern es, dass ein Kommunikator dafĂŒr heute breiter denkt und agiert.

6 Impulse dazu:

  • Struktur schafft Sicherheit
    Machen Sie durch Ihre Unternehmenskommunikation das Leben Ihrer Belegschaft planbarer, absehbarer, strukturierter und dadurch auch sicherer und sorgenfreier.
     
  • „Wir haben einen Plan“
    Richten Sie Ihre Organisation mit einem Leitbild, mit einer Mission, einer Vision und Werten aus. Vermitteln Sie, wie das Unternehmen die Herausforderungen der Zukunft – gemeinsam mit der Belegschaft – schultern wird.
     
  • Vertrauen nimmt Ängste, stabilisiert und positiviert
    Achten Sie darauf, dass Ihre Kommunikation authentisch ist und Ihre Botschaften von der FĂŒhrungscrew, allen voran der First Line, auch gelebt und umgesetzt werden. Je vertrauensvoller eine Organisation wahrgenommen wird, desto resilienter ist die Belegschaft.
     
  • Der CEO ist Leader, Vorbild – und Mensch
    Integrieren Sie Ihr Top-Management gezielt in die interne und externe Kommunikation – persönlich, medial, digital. Stellen Sie die Unternehmensthemen in den Fokus, aber lassen Sie ihn authentisch und menschlich wirken. Zeichnen Sie auch Meinungen pointiert heraus, lassen sie ihn Inhalte zu Mission, Vision und Werten vermitteln und vorleben. Ein profilierter CEO schafft Ausrichtung, vermittelt Sicherheit und stĂ€rkt die LoyalitĂ€t mit dem Unternehmen.
     
  • Sorgen Sie fĂŒr eine hohe Kommunikationsdichte
    Machen Sie Ihre Belegschaft von Mitarbeitern zur Community der Organisation. Integrieren Sie sie in einen konsequenten und mit relevanten Inhalten gespickten Kommunikationsprozess. Geben Sie ihnen dabei auch selbst eine Rolle – in den internen Medien, bei Diskussionsrunden usw. VerknĂŒpfen Sie analog und digital, nĂŒtzen Sie die StĂ€rke und Vermittlungskraft eines Mitarbeitermagazins mit der Schnelligkeit und Pointiertheit des Intranets oder der MitarbeiterApp. Eine hohe Dichte an als relevant und valide wahrgenommener Kommunikation wirkt wiederum stabilisierend, Sicherheit und Sinn stiftend.
     
  • Konditionieren Sie Dynamik (und FlexibilitĂ€t) als positive Faktoren
    Menschen wollen Sicherheit. Menschen wollen aber auch wachsen, sich weiterentwickeln, sich beweisen. Risiko und Gefahr können so im Umkehrschluss auch die TĂŒre fĂŒr Neues, fĂŒr Besseres, fĂŒr Positives sein. Schaffen Sie in der Kommunikation und generell in der Unternehmenskultur eine Fehler- und Versuchskultur, die Ideen, Neues, Innovationen fördert und gleichzeitig fĂŒr hohe QualitĂ€t bĂŒrgt. So nehmen Sie, in einem als gesichert wahrgenommenen Umfeld, Teilaspekten, der als ad hoc riskant wahrgenommenen Welt, das Negative bzw. die SchĂ€rfe und verkehren es ins Positive.

Die Kommunikation nimmt also eine SchlĂŒsselrolle ein, wie Organisationen vor, in und mit Krisen umgehen. Und das nicht nur in Corona-Zeiten.

Haben Sie dazu Anmerkungen oder RĂŒckfragen? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht: peter.weixelbaumer@cs2.at.

1: de.wikipedia.org/wiki/Krise